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Bernd Greiner

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Neues Ranglistensystem für Aktive und Jugend

Der Deutsche Tennis Bund (DTB) verändert das System zur Berechnung seiner Aktiven- und Jugendranglisten. Was ändert sich? Welche Gründe führten zu dieser Entscheidung? Und welche Auswirkungen werden die Veränderungen haben? Darüber sprachen wir mit Bernd Greiner, dem DTB-Vizepräsidenten Wettkampfsport – und befragten ihn auch zu Änderungen in der Wettspielordnung und zu Überlegungen hinsichtlich des LK-Systems.

Herr Greiner, zum Stichtag 30.09.15 soll zum ersten Mal die DTB-Rangliste der Aktiven und der Jugend nach einem neuen System berechnet werden. Können Sie uns zunächst kurz schildern, wie sich das alte und das neue System unterscheiden und warum sich der DTB zu einem Wechsel entschlossen hat?

Bernd Greiner: Grundsätzlich kann man zwei Ranglistensysteme unterscheiden: „Head-to-head“ und „Turnierrundenpunkte“ (TRP). Ein Beispiel für TRP ist die Weltrangliste der Profis. Hier ist es egal, ob man in der ersten Runde von Roland Garros gegen einen französischen Nachwuchsspieler gewinnt, der zufällig vom Verband eine Wildcard erhalten hat, oder gegen Federer/Djoko­vic/Nadal – man erhält einfach eine gewisse Punktzahl dafür, dass man die zweite Runde dieses Grand-Slam-Turniers erreicht hat. Ein Beispiel für „Head-to-head“ ist das LK-System, hier erhalte ich für einen Sieg in einem Match Punkte in Abhängigkeit davon, wie viele Leistungsklassen mein Gegner besser oder schlechter ist als ich selbst. In welcher Runde eines Turniers das geschieht und um welches Turnier es sich handelt, ist dabei völlig egal. Unser altes System war ein „Head-to-head“, aber wesentlich komplexer als das LK-System. Während ich dort ja sofort nach einem Sieg weiß, wie viele Punkte mir das gebracht hat, konnte ich das in unserem alten System in keiner Weise vorhersagen. Die Punkte wurden dort nämlich nicht in Abhängigkeit von der bekannten alten Ranglistenplatzierung des Gegners vergeben, sondern von der noch zu berechnenden neuen. Man wusste also nie genau, wie wertvoll ein Sieg genau war, sondern konnte nur grob abschätzen, ob das jetzt ein Spieler war, der voraussichtlich weiterhin gut platziert sein wird oder nicht. Wie einem sofort einleuchtet, war auch das Berechnungsverfahren wahnsinnig kompliziert, hier hat der Computer iterativ (wiederholend, Anm. der Redaktion) sehr, sehr viele Rechenläufe durchgeführt, so lange bis sich keine Veränderungen mehr ergeben haben. Das Ergebnis, eine erste „Tendenzrangliste,“ wurde anschließend noch von Expertenteams begutachtet und gegebenenfalls Anpassungen vorgenommen. Das Resultat war immer fast ein kleines Kunstwerk und qualitativ sehr hochwertig, aber unglaublich aufwendig und intransparent.

Daher also die Entscheidung für einen Wechsel?

Bernd Greiner: Es gibt mehrere Gründe für diese Veränderung: Zum einen soll das Ganze verständlicher werden. Heutzutage möchte ein Spieler sofort nach einem Turnier wissen, was ihm sein Abschneiden dort gebracht hat, wie er sich dadurch wahrscheinlich verändern wird bzw. wie viele Punkte ihm nun für ein bestimmtes Ziel noch fehlen. Zum zweiten muss der Aufwand reduziert werden. Damit hängt auch die Berechnungsfrequenz zusammen, wir müssen weg von der fast vorsintflutlichen halbjährlichen Berechnung. Das dritte Argument ist die Planbarkeit. Gerade gute Jugend- und Nachwuchsspieler und ihre Trainer planen natürlich ihre Turniere längere Zeit im Voraus. Dazu ist es sinnvoll zu wissen, welcher Kategorie diese Turniere angehören und was das Erreichen einer bestimmten Runde bringt. Im aktuellen System plane ich ein Turnier ein, ohne zu wissen wer dort spielt bzw. was mir Siege dort bringen. Es kann sein, dass ich ein Turnier gewinne, dies aber für die Rangliste fast ohne Wert ist, weil ich nur Spieler geschlagen habe, die in der neuen Rangliste weit hinter mir sein werden. Aus diesem Grund gab es inzwischen – vor allem im Ju­gendbereich – sehr viele Absagen bei Turnieren nach Veröffentlichung der Meldelis­te, wenn die Spitzenspieler ihre möglichen Gegner gesehen haben und vermutet ha­ben, dass ihnen Siege dort nichts bringen.

Können Sie das mit den Kategorien etwas näher erläutern? Wie werden die festgelegt und wie viele Punkte werden verteilt?

Bernd Greiner: Das ist unterschiedlich bei den verschiedenen Altersgruppen: Die Senioren spielen ja schon einige Jahre nach dem TRP-System, dort sind alle Turniere inzwischen in bestimmten Kategorien etabliert. Wenn ein Veranstalter in eine bessere Kategorie aufsteigen möchte, beantragt er dies beim Seniorenreferenten des DTB. Dieser trifft sich jährlich im November mit einem dafür zuständigen Expertenkreis, in dem alle Kategorisierungen geprüft werden. Je nach Qualität der Teilnehmerfelder sind Anpassungen der Kategorie nach oben, aber auch – bei mehrfach eher „schlechteren“ Teilnehmerfeldern – nach unten möglich.

Ähnlich wird dies nun auch bei der Jugend funktionieren. Wir beginnen hier mit drei Kategorien, anhand der Teilnehmerfelder der Vergangenheit wurden den Landesverbänden Vorschläge für die Einstufung unterbreitet, die diese aber verändern konnten. Mit den Einstufungen durch die Verbände starten wir nun in die erste Berechnung. Zukünftig werden wir die Qualität der Teilnehmerfelder anhand bestimmter Kriterien automatisch überprüfen und der zuständige Ausschuss gegebenenfalls an­hand dieser „Qualitätszahl“ Änderungen der Kategorie vornehmen.

Bei den Aktiven ist das System eigentlich am einfachsten: Hier werden die Kategorien anhand der Höhe des Preisgelds festgelegt, das der Veranstalter pro Konkurrenz ausschüttet.

Zu den Punktewerten pro Kategorie im Jugend- und Aktivenbereich kann ich Ihnen im Detail noch nichts sagen, hier laufen derzeit noch Testberechnungen. Wir planen, die endgültigen Punktetabellen im September zu veröffentlichen. Prinzipiell wird es aber so sein, dass eine Kategorie höher in etwa einer Runde im Turnier entspricht. Im Klartext: Wenn ich in Kategorie 3 ins Halbfinale komme, erhalte ich circa so viele Punkte wie in der besseren Kategorie 2 für das Erreichen des Viertelfinals. Das gleiche gilt für die Unterschiede bei den Altersklassen der Jugend: Bei gleicher Turnierkategorie erhalte ich für ein Halbfinale bei den U16 circa so viele Punkte wie für ein Viertelfinale bei den U18. Die Höhe der Punkte, die bei Jugendturnieren vergeben werden, in Relation zu denen bei Aktiventurnieren ist noch Hauptbestandteil der aktuellen Tests.

Sie haben vorhin die Berechnungsfrequenz angesprochen. Ist das nicht ein Widerspruch zum LK-System? Hier findet die Berechnung doch sogar nur jährlich statt?

Bernd Greiner: Sie haben völlig Recht, das ist ein Widerspruch! Die Berechnungsfrequenz des LK-Systems ist mir in der Tat noch ein Dorn im Auge. Ich halte es für absolut nicht zeitgemäß, diese nur einmal jährlich vorzunehmen. Meine persönliche Vision ist hierbei, eine individuelle Berechnung nach jedem erzielten Ergebnis zu erhalten. Analog zum Golf: Dort spiele ich ein Turnier und weiß sofort nach Beendigung, wie sich mein Handicap verbessert oder verschlechtert hat. Aber das ist Zukunftsmusik und auch nicht meine Entscheidung, sondern die des zuständigen Ausschusses. Wir haben hierzu nur gemeinsam festgelegt, dass wir zunächst den Übergang im Ranglistensystem abschließen wollen, danach befassen wir uns ausführlich mit einer Reform des LK-Systems.

Wer ist denn in diesem Ausschuss, der solche wichtigen Entscheidungen trifft? Meist liest man ja nur „Der DTB hat….“ und hat keine Vorstellung davon, welche Menschen eigentlich dahinter stecken.

Bernd Greiner: Der Ausschuss besteht aus einem Vertreter der Verbandsjugendwarte, das ist derzeit Dr. Peter Aurnhammer aus Bayern. Sein Vorgänger Dr. Frank Intert aus Schleswig-Holstein, der dort ja inzwischen Präsident ist, arbeitet an unserem Ranglis­tenprojekt auch noch mit. Beide haben sich intensiv mit der Kategorisierung der Jugendturniere befasst. Dann gibt es einen Vertreter der Verbandssportwarte, das ist derzeit Dieter Kirschenmann aus Rheinland-Pfalz, den man mit Fug und Recht als Vater des LK-Systems in Deutschland bezeichnen kann. Er hat sich vor fast zehn Jahren intensiv dafür eingesetzt, dass die Landesverbände dieses System einführen. Damals wurde er von einigen noch milde belächelt, die inzwischen offen einräumen, wie recht er damit hatte. Da Dieter nunmehr Nachfolger von Ulrich Klaus als Präsident des TV Rheinland-Pfalz wurde, wird er demnächst aus dem Ausschuss ausscheiden. Weiteres Mitglied ist Jürgen Müller vom Niederrhein als Vertreter der Senioren, er bündelt sämtliche Änderungswünsche und -vorschläge dieser Altersgruppe und bringt sie sehr kompetent und praxisnah in den Ausschuss ein. Ein fast schon historischer Mitarbeiter ist Prof. Peter Westerheide aus Westfalen, er hat schon diverse Reformen des Ranglistensystems miterlebt und ist vor allem dafür zuständig, dass die internationalen Ranglisten bzw. Spieler korrekt in das deutsche System eingebunden werden. Dann gibt es noch Andre Leliveldt von der Geschäftsstelle des Bayerischen Tennisverbandes, der darauf achtet, dass alles, was der Ausschuss gerne umsetzen würde, auch IT-technisch machbar ist und Helen Spieth, die Referentin für Mannschaftswettbewerbe und Turniere, die hauptsächlich für die Anbindung an die Turnier- und Wettspielordnung sorgt. Beratend nehmen weiterhin die für die Ranglis­ten zuständigen Mitarbeiter der Geschäftsstelle des DTB an den Sitzungen teil, Klaus Willert, Felix Wortmann und Kai-Uwe Stratmanns. Chef des Ganzen schließlich ist Wolfgang Burkhardt, ebenfalls schon lange, lange Zeit dabei und seit vier Jahren Referent für Ranglisten und Leistungsklassen des DTB. Alles in allem ein extrem kompetentes Gremium, zu dessen Sitzungen ich immer gerne als Gast dazustoße.

Der Umstellungsprozess läuft ja nun schon eine ganze Weile, das Thema ist schon seit längerem auf dem Tisch. Warum hat das denn so lange gedauert mit der Umsetzung, was waren oder sind die Probleme?

Bernd Greiner: Eines der größten ist die Datenstruktur. Wie ich vorhin schon erläutert habe, ist es beim bisherigen „Head-to-head“-System nur wichtig, gegen wen man gewonnen hat, unabhängig von Turnier und Turnierrunde. Dementsprechend sind in unserer Datenbank auch diverse Ergebnisse enthalten, die eben nur genau diese Angabe enthalten. Die für die neue Berechnung notwendigen Angaben wie Turnierkategorie und Runde des Turniers, die erreicht wurde, fehlen teilweise. Hier muss­te erst mal dafür gesorgt werden, dass wir einerseits zukünftig sofort alle relevanten Daten unmittelbar nach Turnierende vorliegen haben und andererseits der lückenhafte Datenbestand der Vergangenheit bestmöglich aufgefüllt wird. Außerdem stellen die beiden Systeme auch völlig unterschiedliche Anforderungen an den Turniermodus an sich. Beim „Head-to-head“ kann ich auch problemlos exotischere Systeme wie „Doppel-KO“ oder „Tagesturniere“, die ja im LK-Bereich sehr beliebt sind, anwenden. Bei TRP bin ich auf das klassische „Tannenbaum“-Tableau angewiesen, da ich ja genau erkennen muss, welche Runde ein Spieler erreicht hat. Das Ganze gipfelt dann darin, dass der Berechnungszeitraum sowohl im alten als auch im neuen System jeweils 365 Tage beträgt. Das heißt, egal wann ich eine Umstellung vornehme, für einen Überlappungszeitraum von einem Jahr brauche ich die Daten sowohl für das eine als auch für das andere System.

Was erwarten Sie sich von der Qualität der neuen Rangliste?

Bernd Greiner: Oh, das ist fast eine philosophische Frage, wann ist eine Rangliste gut und wann schlecht? Jeder, der sich etwas mit der Thematik befasst, weiß, dass keine Rangliste dieser Welt exakt das abbilden kann, was man subjektiv unter „Spielstärke“ versteht. Sie kann immer nur die Spieler gut abbilden, die sich entsprechend des Reglements der Ranglisten verhalten. Das klassische Beispiel ist der, von allen anerkannt, extrem spielstarke Senior, der aber nicht mehr als zwei bis drei Mannschaftsspiele pro Jahr bestreitet. Er kann noch so gut sein, wird aber aufgrund der wenigen Ergebnisse niemals in der Rangliste vorne stehen. Wir können also schon mal grundsätzlich nur Spieler miteinander vergleichen, die eine angemessene Anzahl von Resultaten erzielen. Ich gehe davon aus, dass wir mit Sicherheit zwei bis drei Ranglis­tenzyklen haben werden, bis sich alle an das neue System gewöhnt haben und man ein Fazit ziehen kann. Vorher hielte ich das für vermessen.

Zur Berechnungsfrequenz im Detail: Wie häufig soll die neue Rangliste erscheinen?

Bernd Greiner: Zunächst ist wie bei den Senioren eine vierteljährliche Berechnung geplant. Die ganze Technik wird allerdings so ausgelegt, dass wir zukünftig rein theoretisch täglich berechnen könnten. Wenn das neue System routinemäßig läuft, wird sich der Ranglistenausschuss sehr genau mit dieser Frage befassen. Einerseits wollen wir natürlich so aktuell wie möglich sein, andererseits macht es keinen Sinn, wöchentlich eine Rangliste zu veröffentlichen, wenn sich nur bei jedem zehnten Spieler irgendetwas ändert. Dann ginge schnell das Interesse verloren. Ich könnte mir aber mittelfristig eine monatliche Berechnung vorstellen, das muss man mal sehen…

Wenn man sich mit Spielern und Turnierveranstaltern unterhält, hat man den Eindruck, dass sich längst noch nicht alle dieser doch erheblichen Änderungen bewusst sind. Wie erklären Sie sich das?

Bernd Greiner: Richtig, das ist so. Das ist leider ein klassisches Beispiel für die Nachteile unseres föderalen Systems. Die DTB-Strukturen sind ja so aufgebaut, dass lediglich die 18 Landesverbände DTB-Mitglieder sind, nicht aber die Vereine oder gar die einzelnen Spieler. Dementsprechend laufen auch so gut wie alle Kommunikationskanäle über diesen Weg: „Wir“ informieren über die Kommissionen und Ausschüsse die Landesverbände, diese wiederum ihre Vereine oder im konkreten Fall hier ihre Turnierveranstalter. Der DTB selbst hat mit Ausnahme der „German Masters Series“ ansonsten praktisch keinen Kontakt mit den Veranstaltern. Die Informationspolitik der Landesverbände wiederum ist sehr uneinheitlich, manche haben schon vor weit über einem Jahr die Tabelle mit der Turnier-Kategorie in Abhängigkeit von der Preisgeldhöhe veröffentlicht, so dass sich jeder Veranstalter für die Zukunft überlegen konnte, wie er sich positionieren möchte. Bei anderen Verbänden wiederum haben wir über Rückfragen von einzelnen Veranstaltern mitbekommen, dass dort praktisch gar keine Informationen weitergegeben wurden. Das ist natürlich extrem suboptimal, hier müssen wir uns in der Zukunft gemeinsam wesentlich besser aufstellen.

Gibt es im Zusammenhang mit der Umstellung des Ranglistensystems weitere für die Spieler wichtige Änderungen?

Bernd Greiner: Ja, allerdings! Es gibt einige Änderungen in der Turnierordnung. Die wesentlichste betrifft das „nicht antreten“. Hier haben wir uns zu einer wirklich radikalen Maßnahme entschlossen. Da immer mehr Spieler ein „nicht antreten“ mit sehr fragwürdigen Attesten entschuldigt haben, streichen wir diese Möglichkeit komplett. Es ist nicht mehr nötig, ein Attest vorzulegen. Tritt ein Spieler allerdings dreimal (oder häufiger) pro Berechnungsjahr nicht an, so erhält er dafür einen erheblichen Punkteabzug, sowohl für die Ranglis­te als auch für das LK-System. Der Grund für das „nicht antreten“ ist dabei völlig unerheblich, insofern muss es sich ein Spieler schon sehr genau überlegen, ob er irgendwann ohne triftigen Grund nicht kommt. Dies könnte sich sonst später bei einer ernsthaften Erkrankung oder Verletzung leicht rächen.

Unmittelbar mit dem „nicht antreten“ im Zusammenhang stehen auch die Meldungen zu zwei zeitgleichen Turnieren, die sogenannten „Doppelmeldungen“. Hier wurden einerseits Vereinfachungen und Erleichterungen für den Spieler geschaffen, er darf nun beispielsweise ein Turnier von Freitag bis Sonntag spielen, wenn er in der betreffenden Turnierwoche vorher ein anderes gespielt und Mittwoch oder Donnerstag dort ausgeschieden ist. Andererseits werden aber auch nicht erlaubte „Doppelmeldungen“ mit einem „nicht antreten“ bestraft, das wie oben angesprochen schwer ins Gewicht fallen kann.

Außerdem gibt es neue Einschränkungen für die jüngeren Altersklassen im Jugendbereich, was das Spielen in höheren Altersklassen anbelangt. Hier will man regulierend eingreifen, da es – mit Ausnahme der absoluten Spitzenspieler ihrer Jahrgänge – für die Entwicklung der Jugendlichen kontraproduktiv ist, wenn sie zu früh in den höheren Altersklassen antreten, meist aus Überehrgeiz ihrer Betreuer.

Diese Änderungen greifen alle ab dem 01.10. dieses Jahres und werden im September nochmals detailliert auf unserer Homepage veröffentlicht und über die Landesverbände verteilt.

Auch das LK-System wird von einer wesentlichen Änderung betroffen. Bisher wurden ja alle Spieler mit einer Ranglistenposition bei den Aktiven automatisch in die LK 1 gesetzt. Dies hat dazu geführt, dass wir wesentlich mehr Spieler mit LK 1 als mit LK 2 haben, was natürlich widersinnig ist. Daher werden ab 01.10. diesen Jahres nur noch die ersten 399 der Herren und die ersten 299 der Damen in die LK 1 gesetzt. Die Positionen 400 bis 700 bzw. 300 bis 500 kommen in die LK 2.

Gibt es schon Vorstellungen, was sich in absehbarer Zeit am LK-System noch ändern könnte? Diverse Punkte wie z.B. die Mindestsieg-Regelung stehen da ja ständig in der Kritik.

Bernd Greiner: Nun, bisher gibt es nur Überlegungen, nichts Konkretes. Ich hatte ja schon angedeutet, dass wir uns damit erst nach der Ranglistenumstellung weiter beschäftigen werden. Allerdings ist schon eine grundlegende Reform vorgesehen. Was wichtig ist: Wir sind ja mittlerweile in einer völlig anderen Situation als vor zehn Jahren. Damals war bis auf das Saarland und Rheinland-Pfalz der DTB „LK-frei“. Alle außer diesen beiden Verbänden haben bei Null angefangen. Heute haben fast alle Spieler eine LK und sind somit schon mal mehr oder weniger gut eingestuft. Damit hat man eine viel bessere Ausgangsbasis für Reformen. Genau wie beim Ranglistensys­tem steckt der Teufel aber im Detail. Zwei Beispiele dazu: Wenn man möchte, dass das LK-System die Spielstärke noch genauer widerspiegelt, dann müsste man unbedingt auch Abstufungen bei negativen Ergebnissen zulassen und nicht nur Verbesserungen bei Siegen. Allerdings ist die LK-Turnier­szene inzwischen ein gewaltiger Wirtschaftsfaktor geworden. Insbesondere für die Vereine, die sich durch LK-Turniere sehr schön die Vereinskasse auffüllen. Wenn ich nun Abschläge bei Niederlagen einführe, ist unmittelbar klar, dass weniger Spieler LK-Turniere besuchen. Bisher haben sie nichts zu verlieren, zukünftig würden sie genau abwägen, ob die Chance, sich weiter zu verbessern das Risiko einer Abstufung bei Niederlage wert ist. Wo setzt man jetzt als Funktionär die Priorität, besseres Einstufungssystem oder besseres System für die Vereine? Das zweite Beispiel zeigt wieder das Problem unseres Föderalismus auf. Immer wieder kommt der Ruf nach einem LK-System pro Altersklasse auf, ein krasser Widerspruch zum Sinn der Sache, denn die LK soll ja bewusst altersklassenübergreifend sein. Zunächst war vielen von uns völlig unklar, wieso dieses Thema immer wieder aufgetaucht ist, bis wir die Ursache entdeckten. In vielen Landesverbänden ist es seit ewigen Zeiten möglich, in zwei Altersklassen gemeldet zu werden und Verbandsspiele zu bestreiten. In diesen Verbänden habe ich daher eine „natürliche Durchmischung“ der LKs in den Altersklassen. Wir sind na­türlich davon ausgegangen, dass das über­all so ist, bis bemerkt wurde, dass es tatsächlich noch Verbände gibt, in denen man nur in einer einzigen Altersklasse spielen darf. Dass es in diesen Verbänden natürlich große Sprünge bei der LK geben kann, wenn ein Spieler oder eine Mannschaft mal die Altersklasse wechseln, ist logisch. Solche Unterschiede zwischen den Verbänden kann man natürlich keinem Spieler an der Basis vernünftig erklären. Die Wettspielordnungen der Verbände sind aber nun mal – ich sage hier ganz deutlich leider! – Hoheitsrecht der Landesverbände und so haben wir hier nach wie vor gewaltige Unterschiede, nicht nur bei der Anwendung und den Auswirkungen des LK-Systems. Auf solche Dinge muss man bei möglichen Reformen aber auch sorgfältig achten.

Herr Greiner, herzlichen Dank für das Gespräch.

Letzte Änderung amMittwoch, 09 September 2015 12:09

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