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Mannheimer Musterbeispiel

Das Gebäude des KGRM wurde 1961 eröffnet. Foto: KGRM Das Gebäude des KGRM wurde 1961 eröffnet. Foto: KGRM

Spricht man mit Spielern, Eltern oder Trainern über das Thema Schulbildung, fällt in Tenniskreisen häufig der Name des Kurpfalz Gymnasium und Realschule Mannheim (KGRM). Aus allen Teilen Deutschlands reisen die Nachwuchstalente an, um dort unterrichtet werden zu können. Grund genug für DTZ-Redakteur Andreas Bender die beliebte Privatschule genauer unter die Lupe zu nehmen.

In Deutschland stellt sich im Leistungssport eine Frage sehr häufig: Wie bekommen Talente Schule und Sport unter einen Hut, ohne dass eines davon auf der Strecke bleibt? Denn gerade in der deutschen Gesellschaft wird großen Wert auf eine adäquate Schulbildung gelegt - anders als in vielen anderen Nationen, in denen der Schulbesuch ein wesentlich geringeres oder gar kein Gewicht hat. In Deutschland bieten sportspezifische Internate eine Möglichkeit, beide Komponenten zu vereinen. Doch die Kinder dauerhaft aus ihrer gewohnten Umgebung zu reißen und sie möglicherweise hunderte Kilometer vom Elternhaus entfernt unterzubringen, ist nicht jedermanns Sache. Eine außergewöhnliche Möglichkeit, dieses Problem zu lösen, bietet das „Kurpfalz Gymnasium und Realschule Mannheim (KGRM)“ an.

„Flexibilität und Verständnis“

Viele deutsche Tennis-Talente sind oder waren auf dieser staatlich anerkannten   Privatschule in Baden-Württemberg angemeldet. Darunter einige sehr bekannte Namen der Tennisszene, wie die amtierende U16-Jugendhallenmeisterin Katharina Hobgarski, Antonia Lottner aus dem Porsche Talent Team Deutschland oder der momentan größte deutsche Hoffnungsträger, Alexander Zverev. Sie alle werden oder wurden auf dem KGRM unterrichtet.

Was macht diese Schule so besonders? Warum gehen die Spielerinnen und Spieler gerade hier zum Unterricht? Schließlich ist das „Kurpfalz Gymnasium und Realschule“ im Grunde genommen eine normale private Ganztagesschule, wie es sie in Deutschland zur Genüge gibt: feste Unterrichtszeiten, monatlicher Kostenbeitrag, Prüfungen – alles nichts Außergewöhnliches. Doch die Einrichtung, die im Jahre 1961 eröffnet wurde und seit 1997 eine Kombination aus Gymnasium und Realschule bildet, ermöglicht den Tennistalenten besondere Bedingungen. „Wir bieten den Tennisschülern, wie sie bei uns genannt werden, Flexibilität und zeigen Verständnis für deren Leis-tungssport“, erklärt Dr. Christoph Becker, der Koordinator der Leistungssportklassen. In dieser Klasse sind alle Tennisschüler untergebracht, unabhängig von schulischen Leistungen und unabhängig vom Alter.

„Tennisschüler“ leisten einiges

Doch wie funktioniert dieses System? Die Tennisklasse umfasst rund 20 Schüler, die selbst entscheiden können, an welchen Tagen sie ans KGRM kommen. Hauptunterrichtstag ist der Dienstag. Die Schüler sitzen gemeinsam in einem Klassenraum und werden nach und nach von sämtlichen Fachlehrern besucht, bekommen Aufgaben und können Fragen stellen. „Manche Schüler kommen mehrmals die Woche, bei manchen können die Intervalle auch etwas größer sein. Das kommt auf deren Trainings- und Turnierplan an“, so Lehrer Becker, der Sport und Englisch unterrichtet. Die Klausuren und Prüfungen gelten jedoch als Pflichttermine. Darüber hinaus dienen Vorträge und schriftliche Ausarbeitungen als zusätzliche Bewertungskriterien.

Wer nun den Eindruck hat, die Tennisschüler seien bevorzugt oder bekämen ohne Leistung und Fleiß einen Schulabschluss, liegt gewaltig daneben. Eigenverantwortung und Organisation sind laut Becker die Basis dafür, dass das System, das in Mannheim angeboten wird, funktioniert. „Wir beobachten, dass die Tennisschüler die Disziplin, die sie beim Sport zeigen, auch beim Lernen an den Tag legen“, lobt Becker. Aus diesem Grund entstehe auch keine Missgunst seitens der anderen, „normalen“ Schüler. „Sie sehen, was die Sportler leisten und haben großen Respekt davor“, so der Lehrer weiter.

Denn es gehört einiges dazu, in den Kreis der Tennisschüler aufgenommen zu werden. Neben dem nationalen und internationalen Ranking zählen auch die schulischen Leistungen zu den Aufnahmekriterien. Oft wird dies durch ein Referenzschreiben von Trainern und Verbänden ergänzt.

Mehraufwand für die Lehrer

Dass es nach der Aufnahme eines Schülers auch einmal Probleme geben kann, hat Dr. Christoph Becker in seiner langjährigen Zeit als Lehrer schon erlebt: „Wir mussten uns auch schon einmal von zwei Schülern trennen. Sie haben die Anforderungen nicht erfüllt oder sie umgangen“, erinnert er sich. Dies sind aber sehr seltene Ausnahmen. „Wenn wir merken, dass es nicht läuft, reden wir erst mit den Schülern alleine und, falls notwendig, anschließend mit den Eltern. In der Regel aber bedarf es solcher Gespräche nicht“, relativiert er.

Es sind viele Faktoren, die zum Erfolg des Systems der Mannheimer Privatschule beitragen. Mit den größten Anteil haben die Lehrer, die den Tennisschülern zuliebe einen enormen Mehraufwand in Kauf nehmen. „Mein Handy ist immer an. Wenn die Mädchen und Jungs auf Reisen sind und eine Fra-ge beim Lernen haben, können sie mich jederzeit anrufen. Wir machen das alles aber gerne, weil wir Verständnis für den Leistungssport haben und es uns Spaß macht, wenn die Schüler ein solches Engagement zeigen. Außerdem ist es auch für uns eine Herausforderung, ihnen unter diesen Umständen etwas beizubringen“, ergänzt Becker.

Die besonderen Abläufe am „Kurpfalz Gymnasium und Realschule“ in Mannheim scheinen zu funktionieren - was auch die Schüler selbst bestätigen. Sie sind dankbar, dass ihnen eine solche Möglichkeit geboten wird. „Ich kann mir meine Zeit für das Lernen selbst einteilen und somit mehr Turniere spielen“, sagt eine Tennisschülerin und wird durch ihren Mitschüler ergänzt: „Wir haben eine individuelle Absprache mit den Lehrern und halten per E-Mail oder SMS ständig Kontakt. Die Betreuung ist sehr gut. Es ist das perfekte System für uns Tennisspieler.“

Kapazitäten werden erweitert

Genau diese Vorzüge haben sich herumgesprochen, was zur Folge hat, dass die Schule gar nicht alle Bewerbungen bewältigen kann. „Die Schule macht keinerlei Werbung, hat aber dennoch sehr viele Anfragen, auch aus anderen Sportarten. Wir sind gezwungen, gezielt auszusortieren“, erzählt Dr. Christoph Becker. Daher plant die Einrichtung um Schulleiter Gerd Schmitt auch schon den nächsten Schritt. Die Vorbereitungen, um die Kapazitäten zu erweitern, laufen bereits und es ist angedacht, das Angebot in naher Zukunft auszuweiten.

Und auch wenn oder gerade weil das KGRM nicht alle Interessenten unterbringen kann, zeigt sich, dass ein solches Modell gefragt ist. Und es beweist: Mit eigenem Engagement und der richtigen Unterstützung der Bildungseinrichtung können Schule und Leistungssport gut unter einen Hut passen.           

Infos: www.kgrm.de

Letzte Änderung amMontag, 05 Januar 2015 10:01

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